
„Wer doch einmal die Geschichte des Fensters schrieb – dieses wunderlichen Rahmens unseres häuslichen Daseins, vielleicht sein eigentliches Maaß, ein Fenster voll, immer wieder ein vollgeschöpftes Fenster, mehr haben wir nicht von der Welt; und wie bestimmt die Form unseres jeweiligen Fensters die Art unseres Gemüths: das Fenster des Gefangenen, die croiseé eines Palastes, die Schiffsluke, die Mansarde, die Fensterrose der Kathedrale – sind das nicht ebensoviel Hoffnungen, Aussichten, Erhebungen und Zukünfte unseres Wesens?“
Rainer Maria Rilke
Aus: https://www.uni-kassel.de/upress/online/frei/978-3-89958-748-7.volltext.frei.pdf
Die Freude an dem „philosophische[n] Licht um mein Fenster“ hat Hölderlin sehr wahrscheinlich auch nach seiner Umnachtung weiter beibehalten. Aus dem Fenster seines Tübinger Turms, durch das er „daß ganze Näkerthal samt dem Steinlacher Thal übersehen“ kann, dichtete er immer wieder, wie sein Betreuer Ernst Zimmer erzählte: „Ich forderte ihn dazu auf, mir auch wieder etwas zu schreiben, er machte nur das Fenster auf, tat einen Blick ins Freie, und in 12 Minuten war es fertig“.
Ji-Ming Tang in www.uni-kassel.de/upress/online/frei/978-3-89958-748-7.volltext.frei.pdf
Die Freude an dem „philosophische[n] Licht um mein Fenster“ hat Hölderlin sehr wahrscheinlich auch nach seiner Umnachtung weiter beibehalten. Aus dem Fenster seines Tübinger Turms, durch das er „daß ganze Näkerthal samt dem Steinlacher Thal übersehen“ kann, dichtete er immer wieder, wie sein Betreuer Ernst Zimmer erzählte: „Ich forderte ihn dazu auf, mir auch wieder etwas zu schreiben, er machte nur das Fenster auf, tat einen Blick ins Freie, und in 12 Minuten war es fertig“.
Ji-Ming Tang in www.uni-kassel.de/upress/online/frei/978-3-89958-748-7.volltext.frei.pdfCaput XXIX
De simplicibus fenestris
Si vero volueris simplices fenestras componere.mensuram longitudinis et latidudinis primum fac in lignea tabula, deinde pertrahe nodos vel aliud, quod libuerit, distinctisque coloribus imponendis, finde vitrum et grosario conjunge, adhibitisqueclavis include plumbo, et solida ex utraque parte, circumponeligna clavis firmata et confige, ubi volueris.
Kapitel XXIX
Die einfachen Fenster
Willst du einfache Fenster entwerfen, trage zunächst das Maß der Länge und Breite auf der Holztafel auf, zeichne dann Verschlingungen, oder was du sonst wünschst, und bestimme die Farben, die du anbringen willst. Dann spalte das Glas und verpasse es mit dem Kröseleisen, fasse es unter Anwendung der Nägel mit der Bleirute ein und verlöte das Fenster auf beiden Seiten, lege einen zusammengenagelten Holzrahmen darum und setze es an der gewünschten Stelle ein.
Aus der „schedula diversarum artium“ des Theophilus Presbyter, erste Hälfte 12. Jahrhundert
Er hatte aber an seinem Sommerhause offene Fenster gegen Jerusalem.
Bibel, Buch Daniel, Kap. 6