



Die Entdeckung, dass sich Glas auch artifiziell herstellen lässt, wird dem Beobachten von keramischen Brennvorgängen zugeschrieben. Glas entstand beim Brennen sandhaltiger Tone als unerwartetes Nebenprodukt. Seine Herstellung und Verarbeitung entwickelte und veränderte sich im Lauf von Jahrtausenden.
Die nachfolgend beschriebenen Methoden der Oberflächenbearbeitung können sowohl auf Flachglas als auch auf Hohlglas angewandt werden.

Die Oberfläche von Glas lässt sich mit Flusssäure ätzen. Abhängig von Konzentration und Temperatur und auch der Beschaffenheit des Glases sehen die geätzten Stellen glänzend transparent bis matt/ transluzent aus. Mundgeblasene Überfanggläser bieten der Ätztechnik viele Möglichkeiten. Entscheidend ist, dass bestimmte Teile der Glasoberfläche abgedeckt werden und die blanken, nicht abgedeckten Stellen angeätzt werden. Auf diese Weise kann beispielsweise ein Blau-auf-Weiß-Überfangglas mit hellblauen bis weißen Stellen versehen werden. Die Abdeckung kann durch geeignete Druckverfahren oder auch händisch, durch das Auftragen einer Asphalt- oder Wachsschicht oder einer geschnittenen Folie erfolgen.


Wie auf anderen Untergründen, ermöglicht das Siebdruckverfahren auch auf Glas den Transfer von gerasterten Dateien. Es ist ein Druckverfahren, bei dem die Druckfarbe mit einer Gummirakel durch ein feinmaschiges Gewebe hindurch auf das zu bedruckende Material gedruckt wird. Um Abdeckungen an jenen Stellen zu erreichen, die nicht bedruckt werden sollen, wird auf das Sieb eine photoempfindliche Schicht aufgetragen und anschließend belichtet.
Am Beispiel des Fensters für die Ulrichskirche in Weissach handelt es sich um lebensgroße Porträts, die mit keramischer Farbe gedruckt und anschließend gebrannt wurden. Im Weissacher Fenster wurde der Siebdruck zusätzlich mit händischer keramischer Malerei kombiniert.





Glasmalerei ist ähnlich wie das Glasieren von Keramik eine Technik, bei der keramische Farben auf die Glasoberfläche aufgetragen und anschließend in Spezialöfen eingebrannt werden. Es gibt die Hauptkategorien transparente und opake Schmelzfarben neben der kleinen Gruppe der Überzugsfarben, zu der auch das bekannte Schwarzlot gehört. Die Brenntemperatur liegt im Bereich von ca. 600 °C.
Zu Missverständnissen führt oft der Begriff Hinterglasmalerei. Unter dieser Bezeichnung fasst man Bilder zusammen, die von der Rückseite einer Glasplatte her mit nichtkeramischen Farben bemalt sind und in der Aufsicht betrachtet werden. Sie haben mit der eigentlichen Glasmalerei, die mit Transluzenz, Durchlicht und keramischen Schmelzfarben arbeitet, nichts zu tun.



Homogene Flächen und feinste Farbübergänge lassen sich durch das Airbrushverfahren realisieren. Oft wird die Technik auch in Kombination mit Folienplots verwendet.
Für das künstlerische Konzept der mehrschichtigen Fenster in der Apostelkirche in Kaiserslautern war dies die notwendige und optimale Methode. Die geometrischen Strukturen und ineinander übergehenden Farbflächen wurden in mehreren Arbeitsgängen mit keramischen Farben aufgesprüht und anschließend gebrannt. Keramische Farben sehen ungebrannt gänzlich anders aus als nach dem Brand. Für hervorragende Ergebnisse ist jahrelange Erfahrung die Voraussetzung.




Durch das mit hohem Druck applizierte Strahlgut wird die Oberfläche des Glases aufgeraut und lässt das Glas matt erscheinen.
Blanke und mattierte Flächen heben sich generell sehr stark voneinander ab. Die Technik bietet die Möglichkeit, über Folienplots digitale Entwürfe umzusetzen, Übergänge von Transparenz zu Transluzenz zu schaffen oder der Oberfläche unterschiedliche Haptik zu verleihen. Bei längerer Strahldauer, der sog. Tiefstrahlung, können reliefartige Oberflächen angelegt werden. Der Charakter der Mattierung ist u.a. von der Korngröße und dem verwendeten Strahlgut, wie z.B. Korund oder Mikroglasperlen abhängig.



Die blanke Oberfläche von Glas kann durch Bearbeitung mit Laser gezielt mattiert werden. Im Unterschied zur Sandstrahlung, die mit dem Prinzip der Abdeckung durch Folienplots arbeitet, können Dateien durch Lasern direkt übertragen werden.
Bei der Fassade des Grundbuchamts in Ravensburg wurde die Laserung auf der Außenseite der Isolierverglasung umgesetzt. Auf der Innenscheibe befindet sich keramischer Digitaldruck, der oftmals in Kombination mit Laserung angewandt wird, um entsprechende Hell-Dunkel-Werte und räumliche Tiefe zu erreichen. Die Zeit, um ein Panel der insgesamt neun Einzelscheiben mit Laser zu bearbeiten, betrug 22 Stunden.





Die Technik der Bleiverglasung entstand in der Spätantike bzw. dem frühen Mittelalter, wobei die Anfänge bis heute nicht ganz geklärt sind. Aus Mangel an großformatigen Glasscheiben, die für die zunehmend größer werdenden Fensteröffnungen notwendig waren, wurden kleiner Glasstücke durch Bleiruten zu einem Ganzen zusammengefasst.
Da sich Blei um jede beliebige Form biegen lässt, war es für künstlerische Fensterentwürfe der ideale Werkstoff. Der Entwurf wird auf ein kräftiges Papier übertragen, das anschließend in einzelne Teile, den Schablonen, geschnitten wird. Entlang dieser Schablonen, die auf das entsprechende Glas gelegt werden, wird mit dem Glasschneider geschnitten. Die einzelnen Teile können bei Bedarf noch bearbeitet werden (Malerei, Sandstrahlung, Ätzung, usw.). Anschließend werden sie mit den Bleien zusammengefügt und mit Zinn verlötet.




Flachglas wird heute größtenteils im Floatglasverfahren hergestellt. Die flüssige Glasmasse wird dabei in großen Produktionsstraßen über ein flüssiges Zinnbad gezogen. Nach kontrollierter Abkühlung und anschließendem Schnitt erhält man völlig homogene und plane Glasscheiben in großen Formaten.
Für künstlerische Projekte sind unterschiedlichste Farbtöne und Glasqualitäten notwendig. Die Herstellung von Flachglas durch das Zylinderblasverfahren ermöglicht kleine Mengen mit gezielten Strukturen und Lufteinschlüssen. Dabei wird flüssiges Glas mit der Glasmacherpfeife zu einem ca. 110 cm langen Zylinder aufgeblasen, der längs aufgeschnitten und unter Erwärmung „flachgebügelt“ wird.
Die größte der drei weltweit noch verbliebenen Flachglashütten ist Glashütte Lamberts in Waldsassen.



